eurobahn im Überblick: Strecken, Netze und Linien der Regionalbahn NRW
Unter der Marke eurobahn wird seit 1999 Schienenpersonennahverkehr in Ostwestfalen-Lippe,
im Münsterland, im Ruhrgebiet und bis nach Venlo in den Niederlanden gefahren. Diese Seite
dokumentiert die Strecken und Linien dieser Regionalbahn NRW, die drei Netze, aus denen
sie zusammengesetzt ist, und die Fahrzeuge, mit denen sie betrieben wurden.
Dossier
Die eurobahn ist ein Lehrstück darüber, wie sich der deutsche Nahverkehr nach der
Bahnreform verändert hat. Vor 1996 wurden Regionalstrecken von einem einzigen
Staatsunternehmen bedient; danach schrieben die Aufgabenträger der Länder ihre Netze
einzeln aus. Wer ein solches Vergabeverfahren gewann, bekam einen Verkehrsvertrag über
typischerweise zehn bis fünfzehn Jahre — und musste dafür Fahrzeuge beschaffen, Werkstätten
aufbauen und Personal einstellen, bevor der erste Zug fuhr.
Operative Kennzahlen im Endausbau der Netze
5,6 MioZugkilometer pro Jahr im Hellwegnetz
63beschaffte Triebwagen TALENT, FLIRT und LINT
3Verkehrsnetze im Regelbetrieb
8Linien im Regelbetrieb
Die drei Netze der eurobahn im Überblick
Die Netze sind nicht gleichzeitig entstanden, sondern in drei Vergaberunden über fast ein
Jahrzehnt. Das erklärt, warum sie technisch und geografisch so unterschiedlich sind: das
erste war ein Dieselnetz mit zwei kurzen Linien, das zweite ein elektrisches Großnetz, das
dritte ein grenzüberschreitendes Netz mit einem Ende in den Niederlanden.
Netz 01 · ab Mai 2000
Ravensberger Bahn und Lipperländer
Das erste in Nordrhein-Westfalen im Wettbewerb vergebene SPNV-Netz. Zwei
Regionalbahnlinien in Ostwestfalen, gefahren mit sieben — ab Ende 2010 neun —
Dieseltriebwagen des Typs TALENT. Verkehrsvolumen rund 0,9 Millionen Zugkilometer
im Jahr.
Netz 02 · ab Dezember 2008
Hellwegnetz
Das größte Streckennetz, das bis dahin im Wettbewerb an ein privatwirtschaftliches
Eisenbahnverkehrsunternehmen ging. Vier Linien zwischen Münsterland, Ostwestfalen und
Ruhrgebiet, 25 vierteilige Elektrotriebwagen FLIRT, 5,6 Millionen Zugkilometer
im Jahr.
Netz 03 · ab Dezember 2009
Maas-Rhein-Lippe-Netz
Zwei Regional-Express-Linien von Hamm durch das nördliche Ruhrgebiet nach Düsseldorf
und weiter über das Bergische Land und den Niederrhein bis Venlo. Dafür wurden
18 weitere FLIRT in vier- und fünfteiliger Ausführung beschafft.
Ein Knotenbahnhof ist der Punkt, an dem sich ein Regionalnetz entscheidet: Alle acht Linien laufen auf wenige solcher Knoten zu.
Strecken und Linien: von RB 71 bis RE 13
Acht Linien tragen den Regelbetrieb. Die Kürzel folgen der nordrhein-westfälischen
Systematik: RB für Regionalbahn mit Halt an allen Stationen, RE für Regional-Express mit
beschleunigtem Halteschema. Die Strecken und Linien dieser Regionalbahn NRW sind in der
folgenden Übersicht mit ihrem Laufweg aufgeführt.
Abb. 01 — LiniennetzSchema, nicht maßstäblich. Laufwege nach den Streckenbeschreibungen zur jeweiligen
Betriebsaufnahme; die gestrichelte Führung markiert den grenzüberschreitenden Abschnitt
der RE 13 nach Venlo.
Linien im Regelbetrieb, nach Netz geordnet
Linie
Name
Laufweg
RB 71
Ravensberger Bahn
Rahden – Bielefeld
RB 73
Der Lipperländer
Lemgo – Bielefeld
RB 50
Der Lüner
Münster – Dortmund
RB 59
Hellweg-Bahn
Dortmund – Soest
RB 69
Ems-Börde-Bahn
Münster – Hamm – Bielefeld
RB 89
Ems-Börde-Bahn
Münster – Hamm – Warburg
RE 3
Rhein-Emscher-Express
Hamm – Dortmund – Oberhausen – Düsseldorf
RE 13
Maas-Wupper-Express
Hamm – Hagen – Düsseldorf – Venlo
Auffällig ist die Doppelbelegung: RB 69 und RB 89 tragen beide den Namen Ems-Börde-Bahn,
weil sie denselben Korridor Münster–Hamm nutzen und sich erst dahinter trennen — die eine
nach Bielefeld, die andere über Warburg in Richtung Kassel. Für Fahrgäste bedeutet das eine
gemeinsame Stammstrecke mit doppelter Taktdichte.
Regionalbahn NRW: was die Ausschreibungen verändert haben
Der Wettbewerb im Nahverkehr wird meist über Kosten begründet, aber die sichtbarere Folge
war eine andere: neue Fahrzeuge. Ein Verkehrsvertrag schreibt Kapazität, Einstiegshöhe und
Ausstattung fest, und weil Gebrauchtfahrzeuge diese Vorgaben selten erfüllen, wurde für
jedes gewonnene Netz neu beschafft. Auf der Lammetalbahn, die zwischen 2003 und 2011
mit elf LINT-Triebwagen bedient wurde, stieg die Fahrgastzahl in dieser Zeit um mehr als
hundert Prozent.
Der zweite Effekt ist weniger komfortabel. Ein Netz, das alle zehn bis fünfzehn Jahre neu
vergeben wird, wechselt auch den Betreiber, und mit ihm Werkstattstandorte, Dienstpläne und
Arbeitgeber von mehreren hundert Beschäftigten. Die Berufsbilder auf der Schiene — vom
Triebfahrzeugführer bis zur Zugbegleitung — sind dadurch mobiler geworden, als es der
traditionelle Ruf des Eisenbahnberufs vermuten lässt.
Was in der Zahlenreihe der Vergaben nicht auftaucht, ist der Vorlauf. Zwischen Zuschlag und
erstem Betriebstag liegen regelmäßig drei bis vier Jahre, und der Grund ist die
Fahrzeugbeschaffung: Ein Triebzug wird nach der Bestellung gebaut, muss vom Eisenbahn-
Bundesamt zugelassen und anschließend im Netz erprobt werden. Parallel entstehen Werkstatt,
Leitstelle und Personalstamm. Ein Verfahren, das 2009 den Betrieb aufnahm, wurde deshalb
Mitte des Jahrzehnts entschieden — der Fahrplanwechsel ist nur der Tag, an dem das Ergebnis
sichtbar wird.
Spiel an Bord: vom Salonwagen zum Onlineangebot
Zur Geschichte des Reisens mit der Bahn gehört auch ihre Unterhaltung. Die
Pullman-Salonwagen des späten 19. Jahrhunderts führten Kartentische mit, auf
nordamerikanischen Fernstrecken wurde in eigens hergerichteten Wagen um Geld gespielt, und
die Gesellschaftswagen der europäischen Luxuszüge übernahmen das Motiv in gedämpfter Form.
Der fahrende Spielsalon verschwand mit der Verkürzung der Reisezeiten: wo eine Verbindung
vier Stunden statt zwei Nächte dauert, braucht niemand mehr einen Spieltisch.
Fortgeführt wurde die Idee zunächst auf Kreuzfahrtschiffen und inzwischen im Netz. Seit der
Regulierung des deutschen Glücksspielmarktes durch den Glücksspielstaatsvertrag arbeiten
legale Online Casinos in Deutschland
mit einer bundesweiten Lizenz und unterliegen Vorgaben zu Spieler-, Daten- und
Jugendschutz. Vom Salonwagen ist damit nur das Motiv geblieben, nicht der Ort.
Abb. 02 — Chronik der VergabenJede Zeile ist ein abgeschlossenes Verfahren. Die Jahreszahl bezeichnet den Beginn des Regelbetriebs, nicht den Zuschlag — dazwischen liegen typischerweise drei bis vier Jahre Vorlauf.Zwischen Zuschlag und erstem Betriebstag liegen Jahre — die Strecke steht längst, das Netz entsteht erst mit Fahrzeugen, Werkstatt und Personal.