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Netzdossier · Strecken und Netze

Die eurobahn Strecken und Netze: von der RB 71 zum Hellwegnetz

Drei Netze, acht Linien, drei Fahrzeugfamilien und ein Endpunkt im Ausland. Die eurobahn Strecken und Netze sind in drei Vergaberunden über fast ein Jahrzehnt zusammengekommen, und man sieht es ihnen an: das erste Netz war ein kleines Dieselnetz, das zweite ein elektrisches Großnetz, das dritte grenzüberschreitend.

RB 71 und RB 73: das erste im Wettbewerb vergebene Netz in NRW

2000Betriebsaufnahme in Ostwestfalen Als erstes in Nordrhein-Westfalen im Wettbewerb vergebenes SPNV-Netz wurden im Mai 2000 zwei Regionalbahnlinien in Ostwestfalen übernommen: die RB 71 Ravensberger Bahn von Rahden nach Bielefeld und die RB 73 Der Lipperländer von Lemgo nach Bielefeld. Beide laufen radial auf Bielefeld zu. Es ist der älteste Teil der eurobahn Strecken und Netze und betrieblich der einfachste: ein Fahrzeugpool, eine Werkstatt, kurze Umläufe.

Zum Einsatz kamen zunächst sieben, ab Ende 2010 neun Dieseltriebwagen des Typs TALENT von Bombardier. Das Verkehrsvolumen dieses Netzes umfasst rund 0,9 Millionen Zugkilometer pro Jahr. Gemessen an den späteren Netzen ist das wenig, und genau darin lag der Sinn: das Netz war klein genug, um als erster Wettbewerbsversuch eines Aufgabenträgers zu funktionieren, der noch keine Erfahrung mit Ausschreibungen hatte.

Hellwegnetz: vier Linien und 25 FLIRT

Mit dem Hellwegnetz ging zum Fahrplanwechsel im Dezember 2008 das bis dahin größte im Wettbewerb an ein privatwirtschaftliches Eisenbahnverkehrsunternehmen vergebene Streckennetz in Betrieb. Dafür wurden 25 vierteilige Elektrotriebwagen des Typs FLIRT von Stadler beschafft. Diese Fahrzeuge legen in Ostwestfalen, im Münsterland und im Ruhrgebiet jährlich rund 5,6 Millionen Zugkilometer zurück.

Linien des Hellwegnetzes
LinieNameLaufweg
RB 50Der LünerMünster – Dortmund
RB 59Hellweg-BahnDortmund – Soest
RB 69Ems-Börde-BahnMünster – Hamm – Bielefeld
RB 89Ems-Börde-BahnMünster – Hamm – Warburg (– Kassel)

Die Namensdopplung bei RB 69 und RB 89 ist kein Fehler: beide Linien heißen Ems-Börde-Bahn, weil sie den Korridor Münster–Hamm gemeinsam nutzen und sich erst dahinter trennen. Betrieblich ergibt das eine Stammstrecke mit doppelter Zugfolge, für die Fahrzeugdisposition ein zusammenhängendes Umlaufsystem statt vier getrennter Linienbetriebe.

Ein Zug fährt bei Nacht in einen beleuchteten Bahnsteig ein, die Lichter ziehen Spuren
Vier Linien auf einer gemeinsamen Stammstrecke heißen doppelte Zugfolge: Der Korridor Münster–Hamm trägt RB 69 und RB 89 zugleich.

Maas-Rhein-Lippe-Netz: zwei Express-Linien bis Venlo

Für das Maas-Rhein-Lippe-Netz, das seit Dezember 2009 betrieben wird, wurden 18 weitere FLIRT in vier- und fünfteiliger Ausführung beschafft. Die beiden Strecken dieses Netzes sind deutlich länger als alles zuvor: die RE 3 Rhein-Emscher-Express führt von Hamm über Dortmund und Oberhausen nach Düsseldorf, die RE 13 Maas-Wupper-Express von Hamm über Hagen, Düsseldorf und Mönchengladbach durch die Region Niederrhein bis Venlo in den Niederlanden.

Ein grenzüberschreitender Laufweg ist technisch der aufwendigste Teil des ganzen Verbunds. Zugsicherungssysteme, Stromsysteme und Betriebsvorschriften enden an der Staatsgrenze nicht deckungsgleich, weshalb Fahrzeuge für solche Linien mit mehreren Zugsicherungssystemen ausgerüstet und Triebfahrzeugführer für beide Regelwerke qualifiziert sein müssen.

VenloMönchengladbachDüsseldorfOberhausenHagenDortmundMünsterHammSoestRahdenBielefeldLemgoWarburgNETZ 01HELLWEGNETZMAAS-RHEIN-LIPPE RahdenLemgoBielefeldMünsterHammSoestWarburgDortmundHagenOberhausenDüsseldorfMönchengladbachVenloNETZ 01HELLWEGNETZMAAS-RHEIN-LIPPE
Abb. 01 — Liniennetz Schema, nicht maßstäblich. Laufwege nach den Streckenbeschreibungen zur jeweiligen Betriebsaufnahme; die gestrichelte Führung markiert den grenzüberschreitenden Abschnitt der RE 13 nach Venlo.

Weser- und Lammetalbahn: das ausgelaufene vierte Netz

Für acht Jahre, von 2003 bis 2011, wurden zusätzlich die landschaftlich reizvollen Strecken der Weser- und Lammetalbahn mit elf Dieseltriebwagen des Typs LINT von Alstom bedient. Das Verkehrsvolumen lag bei rund 1,4 Millionen Zugkilometern pro Jahr. Bemerkenswert ist die Nachfrageentwicklung: auf der Lammetalbahn stieg die Fahrgastzahl in dieser Zeit um mehr als hundert Prozent.

Dieses Netz zeigt die andere Seite des Vergabemodells, das den Zuschnitt der eurobahn Strecken und Netze bis heute bestimmt. Ein Verkehrsvertrag läuft aus, das Netz wird neu ausgeschrieben, und der bisherige Betreiber verliert es unabhängig davon, wie sich die Fahrgastzahlen entwickelt haben — Vergabekriterium ist das Angebot im nächsten Verfahren, nicht die Bilanz des laufenden Vertrags.

Balkendiagramm des jährlichen Verkehrsvolumens der Netze: 0,9 Millionen Zugkilometer in Ostwestfalen, 5,6 Millionen im Hellwegnetz, 1,4 Millionen auf der Weser- und Lammetalbahn.
Abb. 02 — Verkehrsvolumen je Netz Zugkilometer pro Jahr im jeweiligen Endausbau. Das Hellwegnetz erbringt allein mehr als das Doppelte der beiden anderen zusammen.

Warum die drei Netze technisch nichts miteinander zu tun haben

Die Trennung zwischen den drei Netzen verläuft nicht entlang der Landkarte, sondern entlang der Oberleitung. Die Strecken nach Rahden und Lemgo sind nicht durchgehend elektrifiziert, weshalb dort Dieseltriebwagen fahren; das Hellwegnetz und die beiden Express-Linien liegen unter Fahrdraht und werden elektrisch bedient. Aus dieser einen Bedingung folgt fast alles andere: Ein TALENT lässt sich nicht in einem Umlauf mit einem FLIRT tauschen, die Werkstätten brauchen unterschiedliche Ausstattung, und Fahrpersonal muss für jede Baureihe getrennt eingewiesen werden.

Die zweite Trennlinie ist das Halteschema. Eine Regionalbahn hält an allen Stationen und braucht für dieselbe Entfernung deutlich länger als ein Regional-Express, der nur die Knoten anfährt. Deshalb lassen sich RB- und RE-Linien nicht beliebig auf denselben Abschnitt legen: Der schnellere Zug läuft dem langsameren auf, und ohne ein Überholgleis an der richtigen Stelle kostet das beide Fahrplanlagen. Wo RB und RE denselben Korridor nutzen — etwa zwischen Hamm und Dortmund — ist genau das der begrenzende Faktor.

Beide Trennlinien zusammen erklären, warum ein Betreiber drei Netze nebeneinander führt und sie doch getrennt disponiert: Fahrzeuge, Werkstätten und Streckenkenntnis sind nicht übertragbar, obwohl die Netze auf der Karte aneinandergrenzen.

Alle Linien der eurobahn Strecken und Netze in der Übersicht

Acht Linien im Regelbetrieb, Stand 2026
LinieNameLaufweg
RB 71 Ravensberger Bahn Rahden – Bielefeld
RB 73 Der Lipperländer Lemgo – Bielefeld
RB 50 Der Lüner Münster – Dortmund
RB 59 Hellweg-Bahn Dortmund – Soest
RB 69 Ems-Börde-Bahn Münster – Hamm – Bielefeld
RB 89 Ems-Börde-Bahn Münster – Hamm – Warburg
RE 3 Rhein-Emscher-Express Hamm – Dortmund – Oberhausen – Düsseldorf
RE 13 Maas-Wupper-Express Hamm – Hagen – Düsseldorf – Venlo

Häufige Fragen zu Strecken und Netzen

Wie viele Netze umfassen die eurobahn Strecken und Netze?

Drei Netze im Regelbetrieb: die Ravensberger Bahn und der Lipperländer in Ostwestfalen ab Mai 2000, das Hellwegnetz ab Dezember 2008 und das Maas-Rhein-Lippe-Netz ab Dezember 2009. Ein viertes Netz, die Weser- und Lammetalbahn, wurde von 2003 bis 2011 bedient und lief danach aus.

Welche Linien gehören zum Hellwegnetz?

Vier Linien: RB 50 Der Lüner zwischen Münster und Dortmund, RB 59 Hellweg-Bahn zwischen Dortmund und Soest, RB 69 Ems-Börde-Bahn zwischen Münster, Hamm und Bielefeld sowie RB 89 Ems-Börde-Bahn von Münster über Hamm nach Warburg in Richtung Kassel.

Welche Fahrzeuge fuhren auf welchem Netz?

Auf den Ostwestfalen-Linien sieben, ab Ende 2010 neun Dieseltriebwagen des Typs TALENT von Bombardier. Für das Hellwegnetz wurden 25 vierteilige Elektrotriebwagen FLIRT von Stadler beschafft, für das Maas-Rhein-Lippe-Netz 18 weitere FLIRT in vier- und fünfteiliger Ausführung. Die Weser- und Lammetalbahn wurde mit elf LINT-Triebwagen von Alstom bedient.

Welche Linie führt über die Grenze?

Die RE 13 Maas-Wupper-Express. Sie verläuft von Hamm über Hagen, Düsseldorf und Mönchengladbach bis Venlo in den Niederlanden und ist damit die einzige Linie des Verbunds mit einem Endpunkt außerhalb Deutschlands.

Wie groß ist das Verkehrsvolumen der Netze?

Das Hellwegnetz ist mit rund 5,6 Millionen Zugkilometern pro Jahr das größte der drei. Die beiden Ostwestfalen-Linien kommen zusammen auf etwa 0,9 Millionen Zugkilometer jährlich, die Weser- und Lammetalbahn erbrachte in ihrer Betriebszeit rund 1,4 Millionen Zugkilometer pro Jahr.