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Technikgeschichte · Dampftraktion

Die erste Dampflokomotive und ihre Dampfmaschine: Aufbau und Technik

Eine Dampflokomotive ist im Kern eine transportable Dampfmaschine auf Rädern. Der schwierige Teil war nie der Dampf, sondern alles andere: ein Kessel, der die Fahrt übersteht, ein Antrieb ohne Kurbelwelle und Schienen, die das Gewicht tragen.

Penydarren 1804: eine Maschine, die schwerer war als ihr Gleis

Am 21. Februar 1804 zog eine von Richard Trevithick gebaute Maschine auf der Werksbahn der Penydarren-Eisenhütte in Südwales zehn Tonnen Eisen und etwa siebzig mitfahrende Zuschauer über rund fünfzehn Kilometer. Es war die erste dokumentierte Fahrt einer Dampflokomotive auf Schienen, und sie entstand aus einer Wette zwischen zwei Hüttenbesitzern.

Der Versuch gelang und scheiterte gleichzeitig. Die Maschine fuhr, aber die gusseisernen Plattenschienen der Strecke waren für Pferdegespanne gebaut und brachen unter der konzentrierten Last. Dieses Missverhältnis bestimmte das nächste Vierteljahrhundert: nicht die Dampfmaschine war das Problem, sondern der Fahrweg. Erst als Schmiedeeisen und später Stahl den Guss ablösten und die Konstrukteure das Gewicht auf mehr Achsen verteilten, war die Dampflokomotive im Alltag brauchbar.

Historische Schwarzweißaufnahme einer Dampflokomotive, die vor einem Bahnhofsgebäude abdampft
Der Wirkungsgrad blieb einstellig — die Dampflokomotive verlor nicht gegen den Diesel, weil sie langsam war, sondern weil sie Personal und Wasser verlangte.

Allgemeiner Aufbau: drei Baugruppen und ein Rahmen

Fast jede Dampflokomotive folgt derselben Gliederung. Der Kessel erzeugt Dampf, das Triebwerk setzt ihn in Drehbewegung um, das Fahrwerk überträgt sie auf die Schiene. Alles sitzt auf einem durchgehenden Rahmen, der gleichzeitig Zug- und Stoßkräfte des ganzen Zuges aufnimmt.

1804erste Fahrt einer Dampflokomotive auf Schienen Das Auffällige gegenüber einer ortsfesten Dampfmaschine ist das Fehlen der Kurbelwelle mit Schwungrad. Bei der Lokomotive greift die Treibstange direkt an einem Kurbelzapfen der Treibachse an, und die Kuppelstangen verbinden diese Achse mit den übrigen angetriebenen Achsen. Dadurch ist das Rad selbst das Schwungrad. Zwei um neunzig Grad versetzte Zylinder sorgen dafür, dass die Maschine aus jeder Stellung heraus anfahren kann — ein einzelner Zylinder bliebe im Totpunkt stehen.

Dampferzeugung: Feuerbüchse, Rauchrohre, Dampfdom

Der Kessel einer Lokomotive ist ein liegender Zylinder, der zu etwa drei Vierteln mit Wasser gefüllt ist. An seinem hinteren Ende sitzt die Feuerbüchse, in der Kohle auf einem Rost verbrennt. Die Rauchgase ziehen nicht direkt ins Freie, sondern durch ein dichtes Bündel von Rohren, die durch den Wasserraum bis in die Rauchkammer am vorderen Ende führen. Diese Bauart vervielfacht die beheizte Fläche gegenüber einem einfachen Behälter und war die Voraussetzung dafür, dass eine Lokomotive schnell genug Dampf nachliefert.

Der Dampf sammelt sich über dem Wasserspiegel und wird im Dampfdom entnommen, einem Aufsatz am höchsten Punkt des Kessels — dort ist der Dampf am trockensten. Bei Heißdampflokomotiven durchläuft er anschließend den Überhitzer, ein zweites Rohrsystem in den Rauchgasen, das ihn deutlich über die Siedetemperatur bringt. Überhitzter Dampf kondensiert im Zylinder weniger und senkt den Kohleverbrauch spürbar; ab den 1910er-Jahren war die Bauart Standard.

Verbrennung und Blasrohr: die Rückkopplung, die den Zug erzeugt

Ein Rost braucht Luft, und eine fahrende Maschine hat keinen Platz für ein großes Gebläse. Die Lösung ist elegant: der Abdampf aus den Zylindern wird nicht ins Freie geblasen, sondern über ein Blasrohr in den Schornstein geleitet. Der austretende Dampfstrahl reißt die Rauchgase mit und erzeugt in der Rauchkammer einen Unterdruck, der frische Luft durch den Rost saugt.

Damit reguliert sich die Maschine selbst. Je stärker die Zylinder arbeiten, desto kräftiger ist der Blasrohrstoß, desto heftiger das Feuer und desto mehr Dampf steht zur Verfügung. Das charakteristische Auspuffgeräusch beim Anfahren ist genau dieser Vorgang, hörbar gemacht. Die Kehrseite: im Leerlauf fällt der Zug in sich zusammen, weshalb wartende Lokomotiven mit Hilfsbläsern arbeiten mussten.

Schwarze Dampflokomotive mit Wagenzug auf freier Strecke, weiße Dampfwolke über dem Kessel
Kessel, Zylinder, Blasrohr: Die Anordnung, die Trevithick begründete, blieb anderthalb Jahrhunderte lang im Prinzip unverändert.

Von Rocket zum Adler: der Weg in den Regelbetrieb

Zwischen Trevithicks Versuch und dem planmäßigen Verkehr liegen zwei Jahrzehnte Entwicklungsarbeit, zu großen Teilen von George und Robert Stephenson. Die 1825 eröffnete Bahn zwischen Stockton und Darlington fuhr noch gemischt mit Dampf und Pferden. Erst die Rennen von Rainhill im Oktober 1829, bei denen die Rocket mit Rauchrohrkessel und Blasrohr die Konkurrenz schlug, legten die Bauform fest, die dann hundert Jahre lang gültig blieb.

Nach Deutschland kam die Technik als Import. Am 7. Dezember 1835 fuhr auf der sechs Kilometer langen Strecke zwischen Nürnberg und Fürth der von Robert Stephenson gelieferte Adler, zunächst mit einem englischen Lokomotivführer, weil niemand vor Ort die Maschine bedienen konnte. Der Nachbau in deutschen Werkstätten begann kurz darauf und war innerhalb weniger Jahre so weit, dass Importe überflüssig wurden.

Was von der Bauart geblieben ist

Im Regelverkehr endete die Dampftraktion in Mitteleuropa in den 1970er-Jahren, verdrängt durch Diesel- und Elektrolokomotiven mit besserem Wirkungsgrad und geringerem Personalbedarf. Neubauten entstehen seither nur noch als Einzelstücke für Museums- und Zahnradbahnen oder als Rekonstruktionen verschrotteter Baureihen.

Erhalten geblieben ist eine Denkweise. Der Rauchrohrkessel findet sich in Schiffsantrieben und Heizanlagen wieder, die Idee der selbstregelnden Rückkopplung in vielen technischen Systemen, und die Streckenführungen des 19. Jahrhunderts bestimmen bis heute, wo im Ruhrgebiet und in Ostwestfalen Gleise liegen.

Häufige Fragen

Wer baute die erste Dampflokomotive?

Richard Trevithick. Seine Maschine fuhr am 21. Februar 1804 auf der Plateway der Penydarren-Eisenhütte in Südwales und zog dabei zehn Tonnen Eisen und rund siebzig Personen über etwa fünfzehn Kilometer. Ältere Dampfwagen von Cugnot und Trevithick selbst fuhren auf der Straße, nicht auf Schienen.

Warum scheiterte die erste Dampflokomotive an den Schienen?

Die gusseisernen Plattenschienen der Zeit waren für Pferdebetrieb ausgelegt und brachen unter dem Gewicht der Maschine. Erst der Übergang zu Schmiedeeisen und später zu Stahl, zusammen mit mehr Achsen zur Verteilung derselben Last, machte den Betrieb dauerhaft möglich.

Wie erzeugt eine Dampflokomotive ihren Dampf?

In der Feuerbüchse verbrennt Kohle oder Öl. Die heißen Rauchgase ziehen durch ein Bündel von Rohren, die im wassergefüllten Kessel liegen, und geben ihre Wärme an das Wasser ab. Der Dampf sammelt sich im Dampfdom über dem Wasserspiegel und wird von dort zu den Zylindern geführt.

Wofür ist das Blasrohr zuständig?

Der Abdampf aus den Zylindern wird in den Schornstein geleitet und reißt dort die Rauchgase mit. Das erzeugt den Unterdruck, der die Verbrennungsluft durch den Rost saugt. Je härter die Maschine arbeitet, desto stärker zieht das Feuer — eine Rückkopplung, die ohne Gebläse auskommt.

Werden heute noch Dampflokomotiven gebaut?

Nur als Einzelstücke. Neubauten entstehen für Museums- und Zahnradbahnen sowie als Nachbauten verlorener Baureihen; im Regelverkehr wurde die Dampftraktion in Europa bis in die 1970er-Jahre durch Diesel- und Elektrotraktion ersetzt.

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